Unterwegs
(retext des Blogpostings auf ilupo in 2013)
Auf Krücken
Fractum Os. Die Saison fängt gut an. Die Prognose ist vier Wochen das gebrochene Knie nicht zu bewegen. Die Heilung kann sich über Wochen und Monate hinziehen, sagt die allwissende Müllhalde. Zu hause bleiben ist die denkbar langweiligste Geschicht, und damit ist die Geschichte hier zu Ende. Um das zu verstehen lese ich immer wieder einen Zettel durch, auf dem steht: osteochandris disseans, massives bone bruise, Knochenmarksödem. Diese Wörter lassen mich meine Langeweile auch nicht verstehen.
Erste Tour
Versura. Auf dem Pferd in den Schlaf gesunken halte ich plötzlich inne, es ist Ruhe. Das Zimmer ist dunkel. Es ist eine klare Nacht und ich beschließe einen Nachtspaziergang ohne meine Krücken zu machen. Eine helle Luft legt sich um den Körper während ich dem hellen Kreis der hüpfenden Taschenlampe folge. Der Weg zeigt sich nur für einen Meter und die Ebene streckt sich in alle Himmelsrichtungen. Ich bin zum ersten mal seit Jahren alleine.
Ich habe auf einmal keine Fragen, da ich die Antwort auf meiner Haut spüre und atmen kann. Nachtflug. Der kleine Scheinwerfer kann nur einen Flecken beleuchten und er ist mein Freund.
An mein Notizbuch: Geraschel, ein Mistkäfer, eine Schnecke, Ein Frosch der sich in der Taschenlampe sonnt, Zwei Schnecken auf einem kleinen Haufen Etwas.
Die Stöcke
Zum ersten Mal Gehen, den Takt suchen. Immer wieder den Stock aufsetzen. Es braucht einige Versuche bis der Arm so schwingt, der Stock genau dann den Boden berührt, wenn man ihn braucht. Es braucht eine Weile bis der Stock ein Teil von einem wird. Irgendwann gehen die Arme auch, es wird Musik, die eine Weile trägt. Die Stöcke helfen einem richtig zuzuhören.
Beschwingt gehe ich die laute Straße entlang auf dem Weg – nach hause.
An mein Notizbuch: Sturz, Knieverletzung, Stöcke stützen, Steine stolpern.